Dreifaltigkeitssonntag

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Fragen Sie zehn Theologen, wie wir uns die Dreifaltigkeit vorstellen sollen und wir werden zehn verschiedene Deutungen bekommen. Wie lässt sich das bloß zusammendenken, dass Gott „Eins“ ist und zugleich „Drei“?

Die meisten Erklärungsversuche stellen mich nicht zufrieden. Es bleiben zu viele Fragen offen – mehr als ich Antworten erhalte. Je genauer man es auslegen möchte, desto falscher wird es am Ende.

Die Sicht des evangelische Theologe Eberhard Jüngel ist mir am ehesten zugänglich. Daher möchte ich seine Gedanken gerne mit Ihnen teilen: Ihm geht es beim Glauben an die Dreieinigkeit Gottes um etwas absolut Zentrales: „Die Trinitätslehre ist der unerlässlich schwierige Ausdruck der einfachen Wahrheit, dass Gott lebt, … weil Gott als Liebe lebt. Dass Gott als Liebe lebendig ist, ist das Geheimnis seines

 Seins, das sich in Leben, Tod und Auferstehung Jesu Christi offenbart hat.“

Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm. (1 Joh 4,16)

Trinität ist keine Frage von eins oder drei. Gott ist ganz und gar jenseits der Zahl. „Ein Gott“ meint seine Einzigkeit und Einzigartigkeit – „drei“ die Lebendigkeit, Beziehungs-mächtigkeit Gottes. Die durchaus missverständliche Formel „Ein Gott in drei Personen“ hält zunächst nur fest, dass Liebe, Gemeinschaft und Kommunikation das innerste Sein Gottes ausmachen.“

Lebendigkeit – Kommunikation

Treffend hat dies Ruth Pfau, Ordensschwester und Lepraärztin in Pakistan, im Dialog mit einem Sufi-Muslim formuliert: „Wenn … Gott nicht nur Liebe hat, sondern Liebe ist, und wenn Liebe notwendig nicht selbstbezogen, sondern dialogisch ist, dann muss es in Gott selber Dialog geben. Das ist es, was wir stammelnd als Trinitätslehre auszudrücken versuchen.“

Wahres Person-Sein

Alle Bilder, die das ewige Sein des dreieinen Gottes aussagen wollen, wie „Vater“, „Sohn“, „Geist“, „Person“ usw. sind treffend, gleichzeitig aber auch völlig unbrauchbar. Der herkömmliche Personbegriff (der einzelne, selbständige, abgegrenzte Mensch / Wesen) ist irreführend und führt zu einer Drei-Gott-Lehre. 

Wahres Personseins ist Selbst-sein im Sich-Überschreiten. Das göttliche Personsein ist ganz und gar als „In-Beziehung-Sein“ zu verstehen. Gott ereignet sich in Beziehung. Gott ist ewiges Ereignis der Liebe, das sich für uns geöffnet hat, und in das wir eingeladen sind.

Vielleicht konnten Sie mit diesen Gedanken  etwas anfangen.
Ich wünsche Ihnen jedenfalls viele innige Liebesbeziehungen!

In diesem Sinne, einen gesegneten Sonntag
Michaela Ziegler, Gemeindereferentin

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