Evangelisch in Biebertal

Weitere Möglichkeiten, an gemeinsamen Gottesdiensten zumindest virtuell teilzunehmen:

12. April 2020 – 10 Uhr
kleine Andacht vom Rimberg in Bieber

Pfarrerin C. Neugeborn hält mit Hilfe einer Beschallungsanlage von E. Günther und Organist E. Hirz eine Andacht über die Dächer Biebers.
Öffnen Sie einfach Ihre Fenster.

12. April 2020 – Andacht zu Ostern

Telefon-Andacht Ostern 2020

Ganz anders

Wie gerne würde ich jetzt das gewohnte Osterprogramm abarbeiten, liebe Leserin, lieber Leser.

Seit 1997 sind für mich diese Wochen gefüllt mit Gottesdiensten und Andachten, Besuchen und in der Schule mit Arbeitsgruppen für das Abitur. Ganz nebenbei noch die Konfifreizeit vorbereiten und den Vorstellungsgottesdienst in den Blick nehmen.
Und dieses Jahr.
Dieses Jahr ist es anders. Ganz anders.
Draußen ist es seltsam still.
Gott sei Dank darf ich auf dem Land leben, in der Stadt, so habe ich gestern selbst erlebt, ist die Stille eine ganz andere.

Gottesdienste wird es nicht geben, einen Vorstellungsgottesdienst ebenso wenig wie eine Konfirmandenfreizeit.  Der Kontakt mit meinen Abiturienten findet im Teamspeak statt, also per Mikrophon und Kopfhörer. Wie sehr bin ich es gewohnt mein Gegenüber zu sehen, da fällt der Unterricht nur mit Mund und Ohren schwer.
Alles anders.

Andere leiden viel mehr an dem anders sein. Die Selbständigen, die plötzlich ohne Einnahmen dastehen. Die Angestellten, die plötzlich mit viel weniger Geld auskommen müssen. Die Angst vor der Krankheit mischt sich mit der Sorge um die Finanzen.

Und dann ist Ostern da.
Seltsam und doch vielleicht viel mehr Ostern als sonst, denke ich mir. Die Osterbotschaft ist ja auch so anders. Zwei Frauen machen sich auf. Wollen einem toten Freund die letzte Ehre erweisen. Sie wissen nicht, was sie erwarten wird. Und sie sind schlecht vorbereitet. Haben keine Ahnung, wie sie das Grab auch nur öffnen sollen. Und trotzdem, trotz der Angst und trotz der Ausweglosigkeit ihrer Situation, haben sie sich auf den Weg gemacht.
Früher konnte man manchmal einen Spruch, hastig hingeschmiert, an Brücken und auf Toiletten lesen: „Du hast keine Chance, nutze sie“.
Das könnte der Wahlspruch dieser beiden Frauen sein.
Sie kommen an. Und dann ist alles anders: „Und es geschah, während sie darüber ratlos waren, siehe, da traten zwei Männer in leuchtenden Gewändern zu ihnen. Die Frauen erschraken und blickten zu Boden. Die Männer aber sagten zu ihnen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ (Lukas 24)

Von einem Moment auf den anderen verändert sich das Leben von Grund auf.
Äußerlich ändert sich wenig. Jesus bleibt verschwunden, die Mächtigen bedrohen weiterhin die Jünger, es ist weiterhin gefährlich, sich zu Jesus zu bekennen.
Aber das Leben nimmt trotzdem eine Wendung, mit der keine der beiden Frauen noch am Morgen gerechnet hätte. Aus Hoffnungslosigkeit wird Hoffnung, aus Traurigkeit wird Freude, aus Planlosigkeit wird zielgerichtetes Handeln.
Ostern, was für ein Fest, gerade an Tagen wie diesen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen hoffnungsvolle Ostertage.

Ihr Claus Becker

Glockenläuten an den Feiertagen

Zu den traditionellen Läutezeiten sowie um 18 Uhr läuten die Biebertaler Kirchenglocken und laden zum gemeinsamen, wenn auch getrennt stattfindenden Gebet.

05. April 2020 – Palmsonntag – Audiovortrag

22. März 2020 – Coronabrief-2

Coronabrief-2

15. März 2020 – Mutmachen – jetzt

André Witte-Karp

„Jetzt erst recht“, habe ich noch vor wenigen
Tagen gedacht und wie gewohnt meine Hand
ausgestreckt. Bei der Begrüßung ein Zeichen
der Verbundenheit auszutauschen, war mir eher noch wichtiger geworden. Jetzt bin ich vorsichtiger. Bei mir ist angekommen:
Es geht gar nicht um mich. Es geht um die anderen.

Ich habe meine hochbetagte Großmutter vor Augen und eine Angehörige, die gerade erst eine Lungenentzündung überstanden hat.

Plötzlich sind sie „Risikopatientinnen“. Um meine eigene Gesundheit sorge ich mich nach wie vor wenig, um die beiden sorge ich mich jetzt schon. Und so stimme ich heute mancher Vorsichtsmaßnahme zu, die ich gestern noch für übertrieben hielt. Die bisher weit entfernte Gefahr mit dem Namen Corona ist mit Wucht auch in unserem Alltag angekommen. Es hat gedauert, jetzt ist sie da und jeden Tag ist die Lage eine andere. Das ist schwer zu begreifen und auszuhalten. Wir sind es gewohnt, dass vieles seinen gewohnten Gang geht und wir lange in die Zukunft hinein planen. Jetzt gilt es, immer wieder neu abzuwägen. Was ist jetzt geboten? Was ist verzichtbar? Woran sollten wir festhalten? Für meine Haltung hilft mir ein Wort, das Jesus gesagt hat. Es steht in der Bibel und lautet: „Der morgige Tag wird schon für sich selber sorgen. Es reicht, dass jeder Tag seine eigenen Schwierigkeiten hat“ (Matthäus 6,34). Was mit dem Corona-Virus noch auf uns zukommt und wann die Lage auch wieder durchschaubarer und planbarer wird, das werden wir erst sehen. Da hilft der Satz Jesu, damit wir uns nicht gefangen nehmen lassen von einer Angst vor dem Morgen. Er hilft ganz praktisch gegen die Versuchung, die Regale in den Supermärkten leer zu kaufen. Er gilt denen, die jetzt jeden Tag schwierige Entscheidungen treffen müssen, und denen, für die diese Entscheidungen weitreichende Konsequenzen haben. Mit all dem gilt es jetzt umzugehen – in aller Besonnenheit und mit dem Blick für die, die gefährdeter sind als ich es vielleicht bin.

Dekan André Witte-Karp, Evangelisches Dekanat Gießen