Ostermeditation 12. April 2020

Jesus ist wirklich auferstanden – 12. April – Die frohe Osterbotschaft

„Der Herr ist wirklich auferstanden“
Alle Jahre wieder zur Osterzeit findet ein Wanderzirkus statt. Ein Theologe sieht sich genötigt seine Zeitgenossen aufzuklären. Er verkündigt öffentlich, dass der Glaube an die Auferstehung Unsinn sei. Er appelliert an den gesunden Menschenverstand, doch zu erkennen, dass es physische Wiederbelebung von Toten nicht gäbe. Die Aufmerksamkeit aller ist ihm gewiss.
Ich empfinde es nicht nur als traurig, wenn Menschen Gott nur das an Macht zutrauen können, was die Naturwissenschaft aktuell nachvollziehen kann. Es ist meines Erachtens auch naiv mit dem Theologen Rudolf Bultmann zu denken, erst mit den Erfindungen der Moderne (Elektrizität, Radio…) könne man Auferstehungszeugnissen der Bibel so nicht mehr glauben. Die Auferstehungsbotschaft galt immer schon als unglaubwürdig (Lk 24,11) und unerhört (1 Kor 2,9). Vollmundig wie der Theologe Gerd Lüdemann zu behaupten: „Das Grab ist voll!“, empfinde ich als dreist. Jeder Historiker müsste zur Kenntnis nehmen, dass Freunde und Feinde Jesu sich in einem Punkt einig waren: Das Grab ist leer. Stattdessen als Theologe genüsslich auf die Verwesung Jesu hinzuweisen, ist respektlos.
Erste Aufgabe eines Theologen in der Nachfolge Jesu ist eine andere. Er hat das Bekenntnis der Jünger zu hören: „Der Herr ist wirklich auferstanden und Simon erschienen“ (Lk 24,34). Dem hat er nachzudenken: 1. Wie beschreibt das Neue Testament diese Wirklichkeit der Auferstehung? Woran denken die Jünger, wenn sie sagen, er sei „wirklich“ auferstanden?
(von griechisch ὄν ‚seiend‘, vgl. Ontologie = Lehre vom Sein)
2. Warum ist die beschriebene Wirklichkeit der Auferstehung Jesu für uns wirklich wichtig? Zu überlegen ist, warum Gott mit seinem Sohn diesen Weg so gewählt hat und nicht zu spekulieren, wie voll das Grab rein theoretisch hätte sein können.
Die Not dieses Wanderzirkus besteht nicht nur darin, dass die leibliche Auferstehung geleugnet wird, sondern dass der Eindruck erweckt wird, beim Osterereignis ginge es „bloß“ um eine physische Wiederbelebung wie z.B. bei der Tochter des Jairus (Mk 5,35-43) oder des Jüngling von Nain (Lk 7,11-17). Gerade dies schildert die Bibel aber nicht. Ihr geht es um ein einmaliges, bisher nie da gewesenes Geschehen (1 Kor 15,20), eine andere Wirklichkeit. Diese, so weiß der Auferstehungszeuge Paulus, bleibt freilich nicht einmalig, sondern ist nur der „Anfang“ (Kol 1,18) der Auferstehung, die jeden Christen erwartet. Somit verrät die Art und Weise der Auferstehung Jesu auch etwas über die Auferstehung aller seiner Nachfolger.
Hätte es das leere Grab Jesu nicht gegeben, hätten wahrscheinlich die meisten den Glauben an seine Auferstehung als Spekulation ohne Anhaltspunkt abgetan. So aber ist das leere Grab das große Fragezeichen an alle Menschen. Der Glaube der durchweg skeptischen Jünger entstand jedenfalls erst in den Begegnungen mit dem Auferstandenen. Was meinen die Jünger, wenn sie sagen, er sei „wirklich“ (LK 24,34) auferstanden?
Die Evangelien bezeugen eine leibliche Auferstehung. Jesus begegnete Menschen als Person. Sie konnten ihn mit eigenen Augen sehen (1 Kor 15,5-8), hörten ihre Namen (Joh 20,16.29) und spürten seinen Atem (Joh 20,21). Der Auferstandene war nicht nur Gedankenkino, sondern mit Händen zu greifen (Mt 28,9; Lk 24,39; Joh 20,27). Saulus riss es gar zu Boden. Er blieb erblindet zurück (Apg 9,1-9). So greifbar ist die Auferstehung!
Doch zugleich ist diese Wirklichkeit alles andere als greifbar, schwer zu begreifen. Nur wenn Jesus sich „selbst naht“ (Lk 24,15) und in der Jünger Mitte tritt, kommt es zur Begegnung. Verschlossene Räume sind kein Hindernis (Joh 20,19.26), weil er wie Gott „erscheint“ (Mk 16,9.11) und sich ebenso wieder entzieht (Lk 24,31). So klar Jesus mit Augen zu sehen ist, müssen den Jüngern doch die „Augen geöffnet“ werden (Lk 24,31), muss er sich „offenbaren“ (Mk 16,12.14; Joh 21,1) und sie an Worte, Zeichen und Begebenheiten erinnern (Lk 24,25.31; Joh 21). Er muss sich identifizieren und sagen: „Ich bin es selbst“ (Lk 24,39), „Ich bin Jesus“ (Apg 9,5). Er muss seine Wunden an Händen, Füßen und Seite zeigen, ehe sie glauben (Lk 24,39-40; Joh 20,20.25.27). Zunächst aber „wissen“ die Jünger nie, dass es Jesus ist (Joh 20,24; 21,4). Der Evangelist Markus bringt es auf den Punkt: „Er offenbarte sich in anderer Gestalt“ (Mk 16,12). Er wurde nicht nur wiederbelebt.
Die Auferstehung Jesus war eine Auferstehung in die Wirklichkeit Gottes und sein Leib ein Auferstehungsleib. Die Evangelisten schildern, wie Jesus seinen Geist am Kreuz „übergab“ (Joh 19,30, vgl. Lk 23,46) und dieser am selben Tag (!) im Paradies ist (Lk 34,43). Sein „Leib“ (Lk 23,55) aber wurde in das Grab gelegt, wo er an Ostern nicht mehr gefunden wird (Lk 24,3.23). An Ostern kehrt nicht einfach der Geist und das Leben in seinen alten Leib zurück (so in Lk 8,55 bei der Tochter des Jairus), sondern es kommt zu einer Auferstehung des Leibes in die Wirklichkeit seines Vaters. Jesus sagt sinngemäß zu Maria am Grab: Ich bin auf dem „Weg hinauf zum Vater“ (Joh 20,17). Jesu Auferstehung ist eine Himmelfahrt (Eph 4,10) und „vom Himmel“ (Apg 9,3) erscheint er den Jüngern, „zuletzt“ (1 Kor 15,8) dem Paulus. Gerade die Lichterscheinungen Jesu (Apg 9,3; 22,6.9; 26,13) zeigen eindrücklich, dass sein Auferstehungsleib nicht an Materie, Raum und Zeit gefesselt ist. Er ist eine Neuschöpfung Gottes. Paulus wird von einem „geistlichen Leib“ sprechen, der unvergänglich, unverweslich und verwandelt ist (1 Kor 15,42-44.51).
Diese neue Wirklichkeit des Auferstehungsleibes Jesu ist für seine Jünger in zweifacher Hinsicht wirklich bedeutsam. Sie gewinnen zum Einen Klarheit, wer der auferstandene Jesus ist. Zum Anderen erhalten sie Gewissheit über ihr eigenes Ergehen, da Jesus nur „Erstling“ (1 Kor 15,20) der Auferstehung ist.
Indem z.B. Jesus bei einer Begegnung mit den Jüngern einen Fisch isst, demonstriert er, dass er aus Fleisch und Knochen besteht (Lk 24,39-43) und damit kein ruhelos umherirrender Geist eines gewaltsam Ermordeten ist. Zugleich beschert er den teils griechisch denkenden Jüngern damit eine Zumutung, den Glauben an eine leibliche Auferstehung (vgl. den Spott der Athener in Apg 17,32). Lukas überliefert diese Zumutung in seinem Evangelium an Theophilus trotzdem, weil die damit verbundene Botschaft zu wichtig ist: Der Schöpfer lässt bei seiner Auferstehung kein Haar seiner Schöpfung zurück. Die Auferstehung der Toten umfasst den ganzen Menschen, Geist und Leib. Es ist keine Auferstehung in einen niedrigeren Modus. Im Gegenteil. Nicht nur Jesu Leben wird „erhöht“ (Lk 24,26), sondern auch seine Nachfolger leben nicht einfach nach dem Tod im Alten fort. Ihr niedriger und armer Leib wird in einen herrlichen und kraftvollen verwandelt. Davon ging Paulus nicht nur aus (1 Kor 15,43). Das konnte er am Auferstandenen sehen.
Die Begegnung der Jünger mit dem Auferstandenen war ein Hinweis auf die Fülle des Lebens, welche sie im Himmel erwartet. Nicht nur die Fülle des Fischfangs für hungrige Jünger zeugte davon (Joh 21). In den Begegnungen mit ihrem verwandelten Rabbi, eröffnet vor allem Jesus selbst ihnen erst die ganze Fülle seiner Person. Er erschließt ihnen sein Leben neu, das Verständnis seiner Königsherrschaft (Apg 1,3), seines Leidens und seiner Auferstehung (Lk 24,26) und der Schrift (Lk 24,25-27.44-47). Erst als den Auferstandenen erfassen sie ihn umfassend als den, der er immer war, der Sohn Gottes (Röm 1,3-4). Nur die Begegnung mit ihm selbst, schenkte ihnen volle Gewissheit neuen Lebens (Gal 1,11f), seinen Geist (Joh 20,22). Thomas wird über den Auferstandenen bekennen: „Mein Herr und mein Gott“ (Joh 20,28). Alle Jünger werden ihn „anbeten“ (Mt 28,9.17).
Die Auferstehung Jesu war nicht nur die Wiederbelebung eines Toten. Im Auferstandenen begegnen die Jünger Gott selbst. Sie erfahren die Fülle der Person Jesu, die Fülle des Lebens, welche er über den Tod hinaus gibt. Denn die Wirklichkeit seiner Auferstehung ist auch die seiner Nachfolger. Deshalb ist sie wirklich wichtig.
(c) Raphael Vach

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