Sonntagsmeditation 19. April 2020

Osterandacht zum 1. Sonntag nach Ostern

Liebe Gemeinde, liebe Biebertaler,

Osterzeit ist für uns Christen Freudenzeit. Jesus lebt und wir werden auch leben. Gottes Macht der Liebe sprengt alle Fesseln des Todes. Wir müssen nicht mehr nach seinem Takt marschieren, sondern können nach Gottes Liebe tanzen. Der Tod bestimmt nicht mehr dieses Leben. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort über das Leben. Jesus hat gesiegt. Das Leben hat gesiegt. Es heißt Freude, Freude und noch einmal Freude.

Wenn wir das Evangelium für den heutigen Tag lesen, entdecken wir: Es hat etwas gebraucht bis sich diese Freude durchgesetzt hat. Dann aber kam sie mit Kraft. Ich lese aus dem Lukasevangelium, Kapitel 24, die Verse 36-43, sowie 52+53:

„Als sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch!“ Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen Hände und Füße. Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm’s und aß vor ihnen.

Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.“

Soweit das Wort Gottes.

Die Freude bricht sich erst am Ende Bahn. Dann aber ist sie kein Strohfeuer, sondern wirkt allezeit fort. Denn Jesu Auferweckung ist der Sieg des Lebens.

Am Anfang aber stehen bodenständige Skeptiker – die Jünger. Die Botschaft vom leeren Grab, dass Jesus lebt, reicht ihnen nicht. Sie sagen sich: Tote bleiben tot. Sie stehen nicht auf. Was noch nie war, kann auch nie sein. Zu unglaublich. – Klar, so erfährt man nie das Einmalige am Leben. Aber so sind wir. / Sie sagen sich: Auferstehung, das wäre zu schön um wahr zu sein. Wenn diese Welt mit all ihrem Leid und ihrer Ungerechtigkeit nicht alles wäre, eine Welt, in der Seuchen Menschen ungefragt krepieren und aus dem Leben scheiden lassen. Sie können nicht glauben vor Freude. Zu schön! – Klar, so erfährt man nie das Beste. Aber so sind wir Menschen. Wir wollen nicht enttäuscht werden. Doch ist das Beste häufig genau das, was man nicht sieht, nur glauben kann – wie die Liebe.

Die Folge bei den Jüngern Jesus ist wie überall: Sie bleiben allein – mit ihrer Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit. Jesus bleibt tot, ihre Zukunft gestorben, ihr Jetzt bedroht. Alleingelassen hocken sie zusammen in ihrer selbstgewählten Quarantäne der Angst. Nicht ganz unbegründet meiden sie die Öffentlichkeit. Nicht ganz unbegründet befürchten sie, dass die Feinde ihres Meisters auch ihnen ans Leder wollen. Und so wählen sie die Isolation.

Doch dann zeigt sich einmal mehr, wie wunderbar Jesus ist. Jesus selbst erscheint in ihrer Angst, durchbricht ihre Isolation, kommt in ihre Mitte und spricht: Friede mit euch! Das gilt auch dir. Denn er hat heute nicht weniger Interesse an dir, wie an den Jüngern damals. Er weiß, was uns in diesen Tagen umtreibt, bewegt und bedrängt. Und er kommt in unsere Mitte.

Wir sehen dann, wie Jesus Schritt für Schritt ihren Unglauben und Zweifel überwindet. Voller Zuwendung. Voller Eingehen auf ihre gespenstischen Ansichten. Voll Verständnis – ohne Tadel. – Sie sind nicht allein. Jesus ist bei ihnen. Gott mit seinen Möglichkeiten. – Der Tod hat nicht das letzte Wort. Leid und Ungerechtigkeit behalten nicht die Oberhand. Die Botschaft der Liebe Gottes ist nicht am Kreuz gestorben. Nein. Jesus lebt. Das Leben siegt. Gott hat sich mit der Auferweckung zu Jesus bekannt. – Und so kann Angst weichen, Friede einziehen, Freude Raum gewinnen.

Liebe Mitbürger,

nicht, dass Angst nicht wichtig wäre. Sie zeigt uns nicht zuletzt in diesen Tagen, was uns lieb und teuer ist. Sie schützt nicht zuletzt in diesen Tagen, was uns am meisten bedeutet- unsere Lieben und unser Leben. Angst – und sei es die vor Corona – leistet einen guten Dienst!

Doch Angst kann uns auch isolieren, abschneiden vom Leben, dass wir innerlich verkümmern.

Das passiert, wenn sie uns ganz bestimmt.  Wenn aus dem Diener ein Herrscher wird, dann isoliert sie uns von Gott und Menschen, dann nimmt sie uns ganz in Beschlag. Die Angst vor dem Tod, die Angst zu kurz zu kommen – und das kommen wir, nicht nur durch Coroana – nimmt uns gefangen. Sie führt bei den einen zu Torschlusspanik und Hamsterkäufen – nicht nur in der Krise. Sie raubt bei den anderen Lebensmut und Hoffnung – auch das nicht nur in der Krise. Aber die Krise bringt es an den Tag. Sie lässt uns die jetzt notwendigen Beschränkungen nicht aushalten. / Die einen verfallen in Aktionismus, versuchen verzweifelt alles aus der Situation noch rauszuholen und zu retten. Die anderen verfallen in Resignation. Ein grauer Schleier legt sich auf sie. Sie spüren plötzlich wie bedrängend diese Welt mit ihrem Leid und ihrem Schmerz ist, wie hilflos und wie hilflos ungerecht, wie zerbrechlich und vom Tod umfangen.

Und so ist es ja auch. Im Westen hatten wir es fast vergessen. Ein kleiner Virus muss uns daran erinnern, was anderorts Alltag ist. Und es bedrängt, reißt in tiefe Löcher. Plötzlich ohne Arbeit, ohne Unterhaltung, ohne Geselligkeit, dringt es zu uns durch. Es ist als wäre die Musik abgestellt wurde. Und plötzlich halten wir inne vor einer gnadenlosen Welt. Und die Angst ist da. Manchen überfällt Verzweiflung.

Aber das ist nicht die Botschaft von Ostern. Sie lautet Jesus lebt. Das Leben siegt. Der Theologie und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.“ Das stimmt! Denn er bleibt nicht allein.

Jesus Christus tritt in seine Mitte als der Gekreuzigte. Und wenn einer unsere Angst und Leid versteht, nicht einfach vom Schreibtisch wischt, dann doch der, der den Jüngern seine Wunden an Händen und Füßen zeigt, das Leid nicht einfach als von Gestern abtut. Sollte er uns nicht verstehen? Ja.

Jesus tritt zudem in seine Mitte als der Auferstandene. Er kommt in Räume unsere Lebens, in denen wir uns schon lange verschlossen haben und spricht: Friede mit dir. Der Tod hat nicht das letzte Wort in deinem Leben. Du musst nicht nach seinem Takt marschieren. Auch drücken Leid und Ungerechtigkeit deinem Leben ihren Stempel nicht auf, sondern du darfst Gottes Liebe atmen. Ostern sagt dir: Hab keine Angst. Friede mit dir. Du kannst gelassen und mutig sein, musst nicht resignieren. Du hast Hoffnung, denn Jesus lebt. Vorfreude darf sich bei dir breit machen. Das Leben hat schon gesiegt.

Nicht jeder glaubt’s, aber wer’s glaubt, wird selig. Heute schon. Er kann nicht mehr verzweifeln. Es bleibt Freude, Freude und nochmal. Freude. In diesem Sinne eine frohe Osterzeit!  

 Pastor Raphael Vach

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