Sonntagsmeditation 26. April 2020

„Der gute Hirte“ (Johannes 10,11-15.27+28)

Was gibt auch in Krisen Halt? Wem kann ich mich letztlich anvertrauen?

Liebe Gemeinde, liebe Biebertaler,
Corona-Zeiten stellen diese Fragen neu. Zeiten, in denen klar wird, dass es keine
Versicherung für das Leben gibt, kein Schutzschirm für alles und jeden, nicht mal ein Leben
nur mit Restrisiko.
Vieles bricht momentan weg, worauf wir Menschen immer wieder bauen. Vieles wird uns
genommen, was unser Leben ausmacht. Vieles erweist sich nicht als krisenfest. Vielfach
stellen wir fest: Auf das Leben kann man sich nicht umfassend vorbereiten. Das verunsichert.
Dankbar kann man dann gerade sein, wenn nicht noch Gestalten auftreten, die Vieles
versprechen, wenig halten, mit dem Leben von Menschen spielen. Insgesamt beobachte ich
eine neue Dankbarkeit für das Leben, für Gesundheit, für Familie, für Arbeit und Beruf, für
Freiheit und Frieden. Zugleich werden zu Recht neue Fragen gestellt: „Hauptsache gesund!“
Stimmt das? Auch um den Preis der Einsamkeit? Oder: „Familie ist mein Ein und alles.“ Und
wenn der Kontakt nicht mehr möglich ist? Ist dann alles nichts? „Arbeit ist mein Leben.“
Leben ohne Arbeit noch lebenswert? Ja, Krisen stellt alte Fragen neu. Krisen stellen die
entscheidenden und letzten Fragen: Was gibt meinem Leben Sinn und Halt?
Für 99% der Menschen aller Zeiten konnte die Antwort darauf nie kleiner ausfallen als
„Gott“. Die Antwort musste beim Schöpfer liegen, nicht in der Schöpfung. Der Halt beim
Haltbarsten, Gott selbst. Wenn nicht er, wer dann sollte der gute Hirte sein, der Menschen
versorgte und bewahrte, damit Halt und Sinn gab?
Man muss wissen: In der Antike sah sich jeder König als guter Hirten. Denn diese hüteten
ihre Schafe nicht zum Fleischgewinn, sondern, um Milch und Wolle zu geben. Dazu mussten
die Schafe gut und lange leben. Der Hirte war somit Inbegriff für einen fürsorglichen und
lebensförderlichen Herrscher.
Jesus Christus tritt nun mit dem Anspruch auf, nicht nur ein Hirte zu sein, nicht mal nur ein
guter Hirte zu sein, sondern der gute Hirte schlechthin zu sein, der Leben gibt. Und
tatsächlich, nur wenn er ganz und gar uns behütet, kann das Leben, das er gibt, ganz und gar
krisenfest sein. Nicht weniger behauptet er. Er gibt ewiges Leben, dass niemand aus seiner
Hand reißen kann, dass Krisen und Tod nicht zum Opfer fällt. Ein Leben, das wirklich Halt
gibt. Jesus beschreibt sich als Hirten so:
Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Die Mietling aber, der
nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die
Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie – denn er ist ein
Mietling und, und ihm liegt nichts an den Schafen.
Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich mein
Vater kennt, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.“

Gott, zeigt sich uns in Jesus. Er zeigt sich als der Hirte, dem etwas an uns liegt, der uns
geschaffen hat und dem wir gehören, der jeden zu einem Original seiner Liebe gemacht hat.
Seine Zuwendung erfolgt nicht für etwas, sondern für uns. Er ist kein Hirte, der für Geld
arbeitet. An Jesus sehen wir es: Er weint Tränen, wenn wir ihm nicht folgen. Er trägt Trauer,
wenn wir seiner Liebe einen Korb geben. Ihn lässt es nicht kalt, wenn wir am Leben
vorbeileben. So einen Gott bezeugt die Welt nur einmal… …und glücklich der, der ihn kennt,
der sein Leben geborgen und behütet weiß – selbst im Tod.
Denn wo findet sich so ein Hirte, der sein Leben für die Schafe gibt? Das Kreuz ruft es uns
immer wieder in Erinnerung: „Niemand hat größere Liebe, als die, dass er sein Leben gibt für
seine Freunde.“ So hat es Jesus gesagt. So sieht er uns an, auch wenn wir häufig ihm und
seiner Welt feindlich sind. Und so kommt er aus Liebe in diese Welt und lässt sein Leben. Das
Angebot der Gemeinschaft mit ihm, kostet ihn einen hohen Preis, den Höchsten, das Leben.
So erträgt er unsere Sünde, statt uns im Stich zu lassen oder zu bestrafen, lässt uns nicht los.
Er ist wahrhaftig ein Hirte, der alles tut, damit uns nichts das Leben raubt. Er ist ein Hirte, der
alles tut, dass die Tür zur Gemeinschaft mit ihm offen bleibt.
Wer ihn kennenlernt, lernt dann auch nicht zuerst ein Gedankengebäude kennen, sondern
erfährt eine Liebe, die unser Denken sprengt, die uns verändert, die wunderbar ist.
Um nichts würde ich diesen Hirten und seine Liebe eintauschen. Sie vergeht nicht, wo alles in
dieser Welt vergeht. Sie wird mir geschenkt, muss ich mir nicht teuer erkaufen. Ihrer muss
ich mich nicht erst als würdig erweisen. Nein, eintauschen würde ich sie nie. Nicht gegen die
Götter unserer Zeit, heißen sie nun Geld oder Geltung, Gesundheit oder Gemeinschaft. Sie
mögen noch so groß sein, noch so hinreißend, ja, noch so gut. Sie reichen nicht an diese
Liebe, dieses Leben ran. Sie halten nicht dem Leben stand. Sie sind kein ewiges Leben.
Der eine Hirte – Jesus Christus – gibt das Leben, wie er es verspricht. Er hält uns, wenn wir
haltlos werden. Ihm geht es wirklich um mich. Das zähle ich zu dem Wunderbaren in meinem
Leben. Wunderbar auch, dass ich es mit vielen teilen kann, ja, jeder an diesem Leben
teilhaben kann. Denn Jesus Christus hat alles dafür getan. Nichts kann uns daher die
Gewissheit seiner Liebe rauben. Nichts dir den Zugang zu ihm verbauen.
Uns bleibt, uns ihm in Glauben und Taufe anzuvertrauen. Dann sind wir gerettet – selbst aus
der letzten Krise dem Tod.
Uns bleibt, seine Liebe zu erfahren, indem wir auf ihn hören in der Bibel oder im Gebet,
indem wir selbst in den Spuren der Liebe wandeln, andere behüten und beschenken wie
kleine Hirten.
Die Einladung des guten Hirten steht jedem offen: Wer heute seine Stimme hört, der folge
ihm. Und er gibt dir ewiges Leben. Amen.
Pastor Raphael Vach
Freie evangelische Gemeinde Frankenbach

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