Sonntagsmeditation, 3. & 10. Mai 2020

Gottes Traum für uns – Frucht für alle

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,

haben Sie sich mal gefragt, was Gottes Traum für seine Menschen in dieser Welt ist? Worauf zielt Gott eigentlich mit seinem Tun und lassen? Bei Jesus sehen wir es. In ihm wird der Traum Wirklichkeit. Auch bei Ihnen und mir.

Jesus verwendet dazu in Johannes 15 ein wunderbares Bild, das des Weinstockes. Da spricht Jesus: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch gesagt habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr Frucht bringt und werdet meine Jünger sein.

Ein Bild voller Leben dieser Weinstock. Da strömt Saft und Kraft durch ihn in die Reben und diese produzieren reiche Frucht. Am Ende steht ein guter Tropfen für die Welt. Dafür macht der Weingärtner im Bild jedenfalls alles. Jede Rebe, die keine Frucht bringt, wird entfernt, damit das ganze Leben in die Reben fließt, die Frucht bringen. Noch reicher, noch praller, noch intensiver. Und am Ende steht noch mehr Genuss und ein fröhlicher Weingärtner. Soweit das Bild.

In der Sache stellt sich Jesus als derjenige vor, von dem das pralleLeben Gottes ausströmt. In ihm wird Gottes Traum Wirklichkeit. Und jeder, der mit ihm verbunden ist, ist Teil dieses Weinstockes, dieser Gemeinschaft, erfährt dieses Leben. Der Weinstock ist in der Bibel das Bild schlechthin für Gottes Volk. Und als Gemeinschaft und Einzelne sind sie ein Lebensgewinn für ihr Umfeld, bringen Frucht.

Gemeinschaft mit Jesus ohne Frucht, gibt es nicht, sagt Jesus, weil die Kraft dazu von ihm kommt. Später wird er dieser Kraft einen Namen geben: Liebe. Wahre Liebe verändert immer. Sie lässt nicht unverändert. Ja, wir spüren es Menschen ab, wenn Liebe in ihr Leben tritt. Wir fragen dann manchmal: Ist etwas passiert? Und dann stellt sich heraus: Ja, da ist einer in das Leben getreten und alles ist anders. Liebe verändert. Nicht nur beim Verliebtsein. Sie gibt Rückhalt, schenkt Freude, Geborgenheit, Menschen gehen plötzlich aus sich heraus, entfalten sich, werden frei von sich für andere. Unzählige Filme handeln davon, dass Menschen durch Liebe und Annahme ihre Bitterkeit verlieren, wie wir sagen „plötzlich genießbar werden“, nicht selten ihre soziale Ader dann entdecken.

Jesus verheißt uns. Er ist der Ort, wo man diese verändernde Liebe in Wahrheit erfahren kann. Ohne Tricks. Ohne Kleingedrucktes. Du musst nichts dafür tun. Nur nicht weglaufen. Bei ihm bleiben. Und dann wirst du es wahrhaftig erfahren. Jesus sagt: Ich bin der wahre Weinstock.

Jesus sagt: Bei wem sein Wort, die gute Nachricht von der Zuwendung Gottes angekommen ist, der ist schon rein. Anders gesagt: Wer an Jesus glaubt, der steht schon in Verbindung mit dem echten Leben, bringt schon Frucht. Der muss sich nicht sorgen, ob er den Anschluss an Gott hat.

Und doch, mahnt Jesus seine Jünger, stehen auch sie in einer Gefahr, stehen auch wir in einer Gefahr: Wir können bei Jesus aus dem Vollen schöpfen und nehmen doch häufig nur hier und da einen kleinen Schluck. Viel zu häufig bestimmen uns alte Lebensmuster und wir machen unser Lebensglück doch wieder abhängig von Dingen – z.B. von dem Urteil der Menschen, die wir mögen oder noch schlimmer, die uns nicht mögen, die Palette ist lang. Wir koppeln unser Lebensgefühl doch wieder an tausend andere Dinge, als allein aus Gottes bedingungsloser und deshalb so befreiender Liebe zu schöpfen.

Da tut es gut, zu hören, was Jesus hier sagt: Bei ihm bleiben genügt. Bei ihm bleiben, sich seiner Liebe aussetzen mit Herz und Verstand. Darum geht’s. Sein befreiendes Wort an sich heranzulassen. Sein Leben aus ihm gestalten. Die Fehler von ihm vergeben lassen. Im Bild gesprochen: So reinigt der Weingärtner seine Reben, dass sie noch mehr Frucht bringen.

Den wahren Weinstock – Jesus. Seine Reben – uns. Man kann ihn an seinen Früchten erkennen. Nicht daran, ob man christlich getauft und beerdigt wurde, nicht an Lippenbekenntnissen, sondern daran, ob etwas von Gottes Leben bei dem Menschen ankommt. Jesus ruft Menschen nicht zum Selbstzweck und für etwas Glück zeitlebens in seine Gemeinschaft, sondern damit sie zu seiner Ehre für die Welt da sind – Gottes große Liebe. Der wahre Weinstock bringt Frucht. Kirche ist immer Kirche für andere, der erste Verein, der nicht zuerst für seine Mitglieder gegründet wurde.

Manchen macht dieses Früchtebringen Stress. Es hört sich nach Arbeit an. Manchen macht dieses Früchtebringen Angst. Sie fragen sich: Bringe ich Frucht? Beides muss es nicht. Wer Jesus hört, merkt, es ist ganz anders. In der Gemeinschaft mit Jesus wird Gottes Traum unser Traum, was wir erfahren, gönnen wir plötzlich jedem, ja es wird zu unserem einen Gebet, dass wir Frucht bringen für die Welt. Dieses Gebet erfüllt Gott. Aus der Last für andere da zu sein, wird Lust. Oder wie Jesus sagt: „Das habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist.“ Gönnen wir uns also die Freude bei Jesus zu sein. Wir werden sie vor anderen nicht verheimlichen können, ja sie wird die Welt verändern. Ansonsten kommt sie nicht von Jesus, nicht vom wahren Weinstock.

Jesus ist die große Kraft- und Freudenquelle für die Seinen. Ohne ihn können wir nichts tun. Mit ihm wird vieles möglich. Auf jeden Fall aber erhalten wir Liebe, erleben Freude, erfahren tiefen Frieden. Dazu bedarf es nicht viel – nur zu bleiben.

Es gibt diese Geschichte von dem Bauer von Ars. Der Priester entdeckt ihn immer wieder in seiner Kirche. Er sitzt da, schaut nach vorne, zum Kreuz. Und sitzt da. Sonst nichts. Eines Tages fragt ihn der Pfarrer: „Was tust Du denn hier die ganze Zeit über?“ Die Antwort: „Ich schaue Ihn an, und Er schaut mich an. Das ist genug.“ Schauen Sie sich Jesus an! In der Stille vor einem Kreuz. Oder wie er mit Menschen umgeht in der Bibel. Das ist schon bleiben bei Jesus. Aber sie werden nicht bleiben wie sie sind. Sie werden Frucht bringen. Leben erfahren und Leben schenken. Allein durch Jesus. Amen.

Pastor Raphael Vach, FeG Frankenbach, Erdaer Straße 14-16, 35444 Biebertal, Tel.: 06446-329

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